Ihr Angehöriger wird aus dem Krankenhaus entlassen — und plötzlich muss alles ganz schnell gehen. In diesem Ratgeber erfahren Sie Schritt für Schritt, wie Sie die Pflege zu Hause organisieren, welche Hilfen Ihnen sofort zustehen und warum eine 24-Stunden-Betreuung oft die beste Lösung ist.
Die Entlassung steht bevor — und jetzt?
Es passiert fast immer unerwartet: Ein Sturz, ein Schlaganfall, eine Hüft-OP — und innerhalb weniger Tage heißt es vom Krankenhaus: „Ihr Vater kann nächste Woche nach Hause.“ Für viele Familien beginnt damit eine der stressigsten Phasen ihres Lebens. Denn plötzlich stehen Fragen im Raum, auf die niemand vorbereitet war:
Wer kümmert sich tagsüber? Wer hilft nachts? Kann Papa überhaupt alleine aufstehen? Und wer kocht, wäscht, gibt die Medikamente?
Die gute Nachricht: Sie müssen das nicht allein lösen. Es gibt schnelle, praktische Hilfen — und oft mehr Unterstützung, als Sie denken.
Schritt 1: Sprechen Sie mit dem Sozialdienst im Krankenhaus
Jedes Krankenhaus hat einen Sozialdienst (manchmal auch „Entlassmanagement“ oder „Case Management“ genannt). Diese Mitarbeiter sind speziell dafür ausgebildet, mit Ihnen die Zeit nach der Entlassung zu planen. Das ist kostenlos und Ihr gutes Recht.
Fragen Sie den Sozialdienst konkret nach:
- Pflegegrad-Antrag (kann direkt aus dem Krankenhaus gestellt werden — das beschleunigt alles erheblich)
- Verordnung für häusliche Krankenpflege (Medikamentengabe, Verbandswechsel etc.)
- Empfehlungen für Hilfsmittel (Pflegebett, Rollator, Toilettenstuhl)
- Anschlussheilbehandlung oder Reha
- Möglichkeiten der 24-Stunden-Betreuung zu Hause
Wichtig: Lassen Sie sich nicht unter Zeitdruck setzen. Sie dürfen eine Entlassung nicht ablehnen, aber Sie können darauf bestehen, dass eine angemessene Nachversorgung organisiert ist. Das Krankenhaus ist gesetzlich verpflichtet, ein sogenanntes Entlassmanagement durchzuführen (§ 39 Abs. 1a SGB V).
Schritt 2: Pflegegrad beantragen — so schnell wie möglich
Falls Ihr Angehöriger noch keinen Pflegegrad hat, sollten Sie den Antrag sofort stellen — idealerweise noch während des Krankenhausaufenthalts. Der Antrag erfolgt bei der Pflegekasse (die ist bei der Krankenkasse angesiedelt).
Ein einfacher Anruf oder ein formloser Brief reicht als Erstantrag. Ab dem Tag der Antragstellung haben Sie rückwirkend Anspruch auf Leistungen.
Die Pflegegeld-Beträge 2026:
| Pflegegrad | Pflegegeld pro Monat |
|---|---|
| Pflegegrad 1 | kein Anspruch |
| Pflegegrad 2 | 347 Euro |
| Pflegegrad 3 | 599 Euro |
| Pflegegrad 4 | 800 Euro |
| Pflegegrad 5 | 990 Euro |
Dieses Pflegegeld können Sie frei verwenden — also auch zur Finanzierung einer 24-Stunden-Betreuung.
Tipp: Bitten Sie den Sozialdienst im Krankenhaus, den Antrag als „Eilantrag“ zu kennzeichnen. Bei einem Krankenhausaufenthalt wird der MDK-Besuch oft beschleunigt, weil der Gutachter den Patienten direkt vor Ort begutachten kann.
Einen ausführlichen Leitfaden finden Sie in unserem Artikel: Pflegegrade verstehen — Ihr umfassender Leitfaden
Schritt 3: Die ersten Tage zu Hause überbrücken
Bis eine langfristige Lösung steht, brauchen Sie eine Überbrückung. Diese Möglichkeiten stehen Ihnen sofort zur Verfügung:
Kurzzeitpflege: Wenn die Versorgung zu Hause noch nicht sichergestellt ist, kann Ihr Angehöriger vorübergehend in eine Kurzzeitpflegeeinrichtung. Die Pflegekasse übernimmt einen Teil der Kosten über das gemeinsame Jahresbudget (3.539 Euro pro Jahr).
Verhinderungspflege: Wenn Sie als Angehöriger die Pflege übernehmen, aber mal eine Pause brauchen, können Sie eine Ersatzpflegeperson engagieren. Die Kosten werden ebenfalls aus dem gemeinsamen Jahresbudget bezahlt.
Häusliche Krankenpflege: Für medizinische Tätigkeiten (Spritzen, Verbandswechsel, Medikamente) kann der Hausarzt eine Verordnung für häusliche Krankenpflege ausstellen. Die Kosten trägt die Krankenkasse.
Mehr dazu in unserem Artikel: Verhinderungs- und Kurzzeitpflege richtig kombinieren: Jahresbudget 2026
Schritt 4: Die langfristige Lösung — 24-Stunden-Betreuung zu Hause
Für viele Familien stellt sich nach der Entlassung eine grundsätzliche Frage: Pflegeheim oder Pflege zu Hause? Die meisten älteren Menschen wünschen sich, in ihrer vertrauten Umgebung zu bleiben — und genau hier setzt die 24-Stunden-Betreuung an.
So funktioniert es: Eine erfahrene Betreuungskraft zieht bei Ihrem Angehörigen ein und übernimmt die tägliche Unterstützung: Hilfe beim Aufstehen und Anziehen, Körperpflege, Kochen, Einkaufen, Begleitung zu Arztbesuchen, Gesellschaft leisten und vieles mehr.
Wie schnell geht das? Bei einer guten Vermittlungsagentur kann eine Betreuungskraft innerhalb von 3 bis 10 Tagen starten. Das ist oft schneller als ein Pflegeheimplatz.
Was kostet das? Die monatlichen Kosten liegen zwischen 2.600 und 4.000 Euro. Nach Abzug von Pflegegeld, dem gemeinsamen Jahresbudget und Steuervorteilen liegt der tatsächliche Eigenanteil für viele Familien oft bei 1.400 bis 2.500 Euro — und damit oft günstiger als ein Pflegeheim.
Eine detaillierte Kostenaufstellung mit Rechenbeispiel finden Sie hier: 24h-Pflege Kosten 2026 (mit Rechenbeispiel)
Welche Aufgaben übernimmt eine 24-Stunden-Betreuungskraft?
Nach einem Krankenhausaufenthalt ist der Betreuungsbedarf oft besonders hoch. Eine Betreuungskraft kann folgende Aufgaben übernehmen:
Grundpflege: Hilfe beim Waschen, Duschen, An- und Auskleiden, Toilettengang, Inkontinenzversorgung.
Hauswirtschaft: Kochen, Einkaufen, Wäsche waschen, Aufräumen, Putzen.
Mobilität: Unterstützung beim Aufstehen, Gehen, Treppensteigen. Begleitung bei Spaziergängen.
Alltagsbegleitung: Gesellschaft leisten, Gespräche führen, gemeinsam Fernsehen, Vorlesen, Spiele spielen. Gerade nach einem Krankenhausaufenthalt ist soziale Nähe besonders wichtig.
Organisation: Arzttermine koordinieren, Medikamente bereitstellen (nach Anweisung), Rezepte einlösen.
Nachtwache: Bei Bedarf auch nachts ansprechbar sein — etwa bei Sturzgefahr oder nächtlicher Unruhe.
Wichtig zu wissen: Medizinische Behandlungspflege (Injektionen, Wundversorgung, Katheter) gehört nicht zu den Aufgaben einer Betreuungskraft. Dafür wird ein ambulanter Pflegedienst hinzugezogen, der vom Hausarzt verordnet werden kann.
Checkliste: Was Sie vor der Entlassung organisieren sollten
Im Krankenhaus:
- Gespräch mit dem Sozialdienst führen
- Pflegegrad beantragen (falls noch nicht vorhanden)
- Vorsorgevollmacht beantragen
- Verordnung für häusliche Krankenpflege besorgen
- Hilfsmittel beantragen (Pflegebett, Rollator, Toilettenstuhl)
- Medikamentenplan vom Arzt mitgeben lassen
- Arztbrief und Entlassbericht anfordern
Für zu Hause:
- Stolperfallen beseitigen (lose Teppiche, Kabel)
- Haltegriffe im Bad anbringen
- Pflegebett organisieren (falls nötig)
- Zimmer für die Betreuungskraft vorbereiten (eigenes Bett, Schrank, WLAN)
- Einkauf für die ersten Tage erledigen
- Hausarzt über die Entlassung informieren
- Vermittlungsagentur für 24-Stunden-Betreuung kontaktieren
Finanziell:
- Pflegegeld beantragen
- Gemeinsames Jahresbudget (Verhinderungs-/Kurzzeitpflege) beantragen
- Steuerliche Absetzbarkeit prüfen
Mehr zu den finanziellen Hilfen: Fördermöglichkeiten bei der 24-Stunden-Pflege
Häufig gestellte Fragen
Wie schnell kann eine 24-Stunden-Betreuungskraft anfangen? Bei einer guten Vermittlungsagentur dauert es in der Regel 3 bis 10 Tage bis zum Start. In dringenden Fällen geht es manchmal noch schneller. Sprechen Sie uns frühzeitig an — idealerweise schon während des Krankenhausaufenthalts.
Braucht mein Angehöriger einen Pflegegrad für eine 24-Stunden-Betreuung? Nein. Eine 24-Stunden-Betreuung ist auch ohne Pflegegrad möglich. Allerdings haben Sie mit einem Pflegegrad Anspruch auf Pflegegeld und weitere Zuschüsse, die die Kosten deutlich senken. Deshalb empfehlen wir, den Antrag so früh wie möglich zu stellen.
Kann ich die Betreuung auch nur vorübergehend buchen? Ja. Gerade nach einem Krankenhausaufenthalt ist der Betreuungsbedarf oft besonders hoch und nimmt dann wieder ab. Sie können die 24-Stunden-Betreuung flexibel buchen — auch nur für wenige Wochen. Die Kündigungsfrist beträgt in der Regel zwei Wochen.
Ist eine 24-Stunden-Pflege legal? Ja, wenn sie über das EU-Entsendemodell organisiert wird. Die Betreuungskraft ist in ihrem Heimatland angestellt und sozialversichert. Die A1-Bescheinigung bestätigt dies. Mehr dazu: Rechtslage der 24-Stunden-Pflege
Wer hilft mir bei der Organisation? Sie müssen das nicht allein schaffen. Neben dem Krankenhaus-Sozialdienst gibt es Pflegestützpunkte, Seniorenberatungen und Pflegeberatungen (auch private Pflegeberatungen, z. B. Compass), die kostenlos beraten. Und natürlich stehen auch wir Ihnen zur Seite — mit einer kostenlosen, unverbindlichen Beratung.
Sie brauchen schnell Hilfe? Wir sind für Sie da.
Pflegerlich ist eine persönliche Vermittlungsagentur aus Köln, die bundesweit liebevolle Betreuungskräfte an ältere, kranke oder pflegebedürftige Menschen vermittelt. Wir wissen, wie stressig die Zeit nach einem Krankenhausaufenthalt ist — deshalb machen wir es Ihnen so einfach wie möglich.
Ein Anruf genügt. Wir besprechen Ihre Situation, finden die passende Betreuungskraft und kümmern uns um den gesamten organisatorischen Ablauf. Schnell, transparent und zu 100 % legal.
Jetzt kostenlose Beratung anfordern oder rufen Sie uns direkt an: 0160 1263778


